Eine der größten Anforderungen an Geo-Anwendungen besteht darin, auf räumlichen Anfragen möglichst schnell zu antworten. Die Mehrdimensionalität dieser Anfragen verhindert jedoch die Verwendung der gebräuchlichen Indexstrukturen (z.B. B-Bäume, vgl. [BM72]). Es sind also räumliche Zugriffsmethoden erforderlich, welche speziell auf das Geo-Anforderungsprofil räumlicher Anfragen zugeschnitten sind.
Als wichtigste räumliche Anfragen sind die folgenden drei Typen zu nennen. Dabei sei eine Menge von 3D-Objekten sowie eine 3-dimensionale Anfrage-Box gegeben.
Im GEOTOOLKIT existiert zur Unterstützung räumlicher Anfragen die
Klasse gtAccessPath, welche als abstrakte Schnittstellenklasse
für diejenigen räumlichen Indexstrukturen dient, die im GEOTOOLKIT zur
Verfüngung gestellt werden. Momentan ist dies nur die Klasse
gtRTree, in der ein R-Baum modelliert wird - an einer
Version eines Octrees wird jedoch momentan gearbeitet.
Der R-Baum
etabliert eine räumliche Ordnung auf einer Menge geometrischer
Objekte im 3-dimensionalen Raum. Diese Objekte werden innerhalb des
R-Baumes bezüglich ihrer Lage im Raum, welche durch ihre Bounding-Box
bestimmt ist, abgelegt. Der hierarchische Aufbau eines R-Baumes ist
vergleichbar mit dem eines B-Baumes, da jeder Knoten im R-Baum die
Bounding-Box seiner Söhne enthält. Ein Beispiel für den Aufbau
eines R-Baumes ist in Abb. 4.5 angegeben.
Wie man sieht, sind zwar Überschneidungen der Bounding-Boxen erlaubt,
die Vorschriften zum Aufbau eines R-Baumes sehen jedoch vor, diese zu
minimieren
, so daß die oben angegebenen räumlichen
Anfragen mit Hilfe eines R-Baumes im allgemeinen in logarithmischer
Zeit ausgeführt werden können.
Eine hohe Effizienz räumlicher Zugriffe ist für das GEOTOOLKIT von großer Wichtigkeit, da die darauf aufsetzenden GIS-Prototypen - wie schon angesprochen wurde - zur Verwaltung sehr großer Mengen räumlicher Daten herangezogen werden. Aus diesem Grund wurde erst kürzlich eine Optimierung der GEOTOOLKIT-Implementierung des R-Baumes durch MICHAEL WAGNER ([Wag98]) vorgenommen.
Nachdem nun die wichtigsten Grundlagen zu Geo-Informationssystemen
allgemein und speziell dem GEOTOOLKIT diskutiert wurden und in Kapitel
3 ein Überblick der in der Literatur zu findenden
Repräsentationsmodelle für topologische Beziehungen - mit einer
Anpassung an den im Rahmen dieser Arbeit betrachteten 3-dimensionalen
Raum - erfolgte, soll in den nächsten beiden Kapitel die
Integration einer topologischen Komponente in das
GEOTOOLKIT beschrieben werden.