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9-Durchschnitts Methode (9IM)

 

1991 erweiterte EGENHOFER in [Ege91] seine 4IM um die Betrachtung der Komplemente der jeweiligen Objekte. Durch die Hinzunahme des Komplementes zu Rand und Innerem wird nun jedes betrachtete Objekt in drei disjunkte Teile partitioniert, so daß für die Bewertung der topologischen Beziehung zwischen zwei Objekten nunmehr tex2html_wrap_inline4979 Durchschnitte zu untersuchen sind. Aus diesem Grund wird das folgende Repräsentationsmodell im allgemeinen auch als 9-Intersection (9IM) bezeichnet.

Wir betrachten also zu den zwei gegebenen Objekten tex2html_wrap_inline4823 und tex2html_wrap_inline4825 jeweils deren Ränder tex2html_wrap_inline4985 und tex2html_wrap_inline4829 , die Inneren tex2html_wrap_inline4989 und tex2html_wrap_inline4991 , sowie deren Komplemente tex2html_wrap_inline4993 und tex2html_wrap_inline4995 bezüglich des zugrundeliegenden Raumes tex2html_wrap_inline4997 . Die topologische Beziehung zwischen tex2html_wrap_inline4823 und tex2html_wrap_inline4825 wird dann durch die 9 Durchschnitte beschrieben, die zwischen jedem Teil des ersten und jedem Teil des zweiten Objektes bestehen. Zu diesem Zweck dient die Matrix tex2html_wrap_inline5005 , in der alle Schnittmengen erfaßt werden:

displaymath708


Die einzelnen Schnitte werden in diesem Modell wieder nur zwischen leer ( tex2html_wrap_inline5007 ) und nicht-leer ( tex2html_wrap_inline5009 ) unterschieden, so daß tex2html_wrap_inline5011 mögliche Kombinationen entstehen können. Dieser höhere Mächtigkeitsgrad der 9IM gegenüber der 4IM schlägt sich jedoch nicht in der Anzahl und Art der tatsächlich unterscheidbaren topologischen Beziehungen nieder, denn wie beim 4IM besteht das Repräsentationsmodell der 9IM aus folgenden 8 Beziehungen, sofern die zugrundeliegenden Objekte geschlossen und zusammenhängend sind:

displaymath724

Diese 8 topologischen Beziehungen werden in Tabelle 3.1 anhand der Matrix tex2html_wrap_inline5005 spezifiziert. Alle anderen Kombinationen sind auch in diesem Modell durch die topologischen Bedingungen des Zusammenhangs und der Geschlossenheit der beteiligten Objekte nicht möglich.

table729

Doch dann ist die Frage nach dem Sinn dieser Erweiterung berechtigt. Sie ist beispielsweise dafür nötig, um entscheiden zu können, ob ein Objekt vollständig in einem anderen enthalten ist, wenn die Codimensionen (s.u.) der Objekte > 0 sind; dies ist mit der 4IM nämlich nicht möglich. Bevor dies an einem Beispiel genauer gezeigt wird, soll nun jedoch zuerst die Definition der Codimension angegeben werden.

definition769

  figure2887

Nehmen wir jetzt als Beispiel für Objekte mit Codimension 1 zwei Flächen im tex2html_wrap_inline4661 und stellen die topologischen Beziehungen aus Abb. 3.3 mit der 4IM und der 9IM gegenüber. Fall (a) ist sicherlich als contains einzustufen, während in (b) ein Beispiel für ein overlap angegeben ist, da sich beide Objekte nicht in der gleichen Ebene befinden. Innerhalb des 4IM werden beide topologischen Beziehungen jedoch durch die Matrix tex2html_wrap_inline4839 mit der Ausprägung für die contains-Beziehung repräsentiert:

displaymath792


Die fehlende Möglichkeit der Erkennung dieser speziellen overlap-Lage im Rahmen der 4IM liegt daran, daß der zugrundeliegende Raum nicht vollständig erfaßt werden kann. Da in diesem Fall des overlaps beide Objekte nicht in der gleichen Ebene liegen, ist das Vorkommen dieser topologischen Beziehung möglich, obwohl kein Schnitt der beiden Ränder vorliegt. Durch die Hinzunahme der Komplemente innerhalb der 9IM kann nun jedoch das contains von dem overlap dadurch differenziert werden, daß im zweiten Fall (im Gegensatz zum contains) nicht-leere Schnittmengen beider Komplement/Rand- bzw. Komplement/Inneres-Durchschnitte festzustellen sind:

displaymath808


Die 9-Intersection-Methode ist also der 4-Intersection-Variante insofern überlegen, daß sie zur Bestimmung der topologischen Beziehung zwischen zwei Objekten nicht nur deren Bestandteile betrachtet und Rückschlüsse aus den paarweisen Schnittmengen zieht, sondern außerdem den zugrundeliegenden Raum - als wichtiges Kriterium der räumlichen Lage - nicht vernachlässigt.

Eine Unterscheidungsmöglichkeit der Dimension der betrachteten Durchschnitte ist allerdings in diesem Modell auch noch nicht vorgesehen. So ist beispielsweise eine Punktberührung (0D) noch nicht von einer Flächenberührung (2D) zu unterscheiden, da die betreffende Schnittmenge der beiden Ränder ( tex2html_wrap_inline4985 tex2html_wrap_inline5063 tex2html_wrap_inline4829 ) in beiden Fällen nur einen nicht-leeren Schnitt ( tex2html_wrap_inline5009 ) zurückliefert.

Die Beseitigung dieses Defizites wird im nächsten Abschnitt mit der dimensionserweiternden Methode angegangen.


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Stefan Hecht
Thu Aug 26 14:06:24 MET DST 1999